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Nachlassende Leselust der Jüngeren



tpg. Trotz den teilweise dramatisch gesunkenen Umsätzen deutscher Verlage und einem breiten Rückgang bei den verkauften Auflagen ist das Informationsverhalten «weitgehend stabil» geblieben. Dies geht aus den jüngsten Ergebnissen der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) her-vor. Auf die Frage, wie sich die Menschen über ein Thema «näher und umfangreicher informieren möchten», gaben 61% an, sie läsen Berichte in einer Zeitung; vor drei Jahren waren es 58%. Einen deutlichen Zu-wachs verzeichnet die Internetnutzung: Sie stieg von 9% auf 29% an. Informationsquelle Nummer eins ist jedoch das Fernsehen (73%), das die Informanten «Familie, Freunde oder Bekannte» (71%) hinter sich gelassen hat.
Aufschlussreich sind auch die Statistiken aus dem soeben erschienenen «Jahrbuch der Demoskopie» (Verlag K. G. Saur, München), ebenfalls vom Institut für Demoskopie in Allensbach (IfD). Die Frage, ob man regelmässig eine Zeitung lesen sollte, wird von Jüngeren immer seltener mit Ja beantwortet. Während Menschen über 45 Jahre die Zeitungslektüre nach wie vor mehrheitlich für unerlässlich halten, ist dieser Wert bei den 16- bis 44jährigen um weit über 10% gesunken. Grösster Feind des Lesens ist und bleibt das Fernsehen. Es ist das Medium, auf das 60% der Deutschen am wenigsten verzichten wollen. Entsprechend gross ist der Profit, den das Fernsehen aus der gesunkenen Lust am Lesen schlägt, jedenfalls statistisch gesehen. Mittlerweile gibt die Hälfte der Deutschen an, mehr als drei Stunden pro Tag vor dem Fernseher zu verbringen; 1989 lag diese Anzahl bei rund einem Drittel. Bei fast einem Viertel der Befragten sind es sogar vier Stunden und mehr; diese statistische Grösse hat sich im Verlauf der neunziger Jahre fast verdoppelt. NZZ, 9. August 2002 (gekürzt)

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