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«Sprechen Sie Deutsch oder Englisch?»

In der Romandie wehrt man sich gegen das Überhandnehmen von Anglizismen. Jean-Marie Vodoz und Georges Perrin haben einen Verein zum Schutz des Französischen gegründet.
Sie gründen einen Verein zur Verteidigung der französischen Sprache. Wogegen muss sie verteidigt werden?
Jean-Marie Vodoz: Gegen eine zunehmende Amerikanisierung, die übrigens alle vier Landessprachen bedrängt.


Zum Beispiel?
Vodoz: Die Telefonbücher heissen inzwischen «directories», das Französische «échoppe» ist durch «shop» ersetzt worden, und wenn ein Flugzeug abstürzt, sagt man, «il se crashe», was auf Französisch doppelt unangebracht ist (Crasher tönt gleich wie das Französische cracher, zu Deutsch spucken, Anm. d. Red.). Diese deformierten Wörter sind ärgerlich; Französisch ist eine viel zu schöne Sprache, um so verhunzt zu werden.
Stemmen Sie sich da nicht gegen eine Weiterentwicklung der Sprache, die von der jüngeren Generation ausgeht?
Vodoz: Ich würde nicht von einer Entwicklung im Sinne eines kreativen Prozesses sprechen. Vielmehr finde ich, dass uns dieser Jargon aufgezwungen wird - von den Amerikanern, von Werbern, Journalisten und Politikern. Und ich befürchte, dass sich diese Amerikanisierung der Sprache auf die Politik niederschlägt.
Georges Perrin: Die Vereinfachung ist gewollt. Leider hat die Vereinfachung der Sprache auch eine Vereinfachung des Denkens zur Folge. Sie führt zur binären Welt von George Bush: gut - böse, schwarz - weiss. Nuancen lässt man keinen Platz.
Nun fühlen sich aber immer mehr Schweizerinnen und Schweizer vom Englischen angezogen. Eine Mehrheit der Schüler lernt lieber Englisch als Französisch oder Deutsch.
Vodoz: Ich bezweifle, dass es die Mehrheit ist. Aber dagegen kämpfen wir gar nicht: Wir haben nichts gegen das Erlernen der englischen Sprache. Auch nicht gegen Frühenglisch? Vodoz: Ich erkenne im Ansatz des ehemaligen Zürcher Bildungsdirektors Ernst Buschor leider vor allem die Absicht, die Schüler so rasch wie möglich für die Bedürfnisse der Wirtschaft fit zu machen. Doch sie lernen nicht nur für die grossen Unternehmen.
Welches Ziel setzen Sie sich?
Perrin: Wir möchten zunächst einmal erreichen, dass sich die Leute der zunehmenden Amerikanisierung und der Verwendung von Anglizismen in der Sprache überhaupt bewusst werden. Gerade in der Werbebranche, in der ich tätig bin, scheint dies nötig.
Vodoz: Zumal sehr viele Leute die englischen Werbebotschaften nicht verstehen und sich ausgeschlossen fühlen. Dieses Malaise drückten auch die 400 Romands aus, die sich spontan gemeldet haben, um sich dem Verein anzuschliessen. Sie sind besorgt und verärgert.
Haben Sie auch Kontakte zu Deutschschweizern?
Vodoz: Wir sind vom Sprachkreis Deutsch kontaktiert worden, mit dem wir einen Austausch pflegen möchten. Doch es sind hauptsächlich die Romands, die sich auflehnen. Die Anglizismen dringen über die Deutschschweiz her ein, nicht über Frankreich, das seine Sprache traditionell stärker beschützt.
Sind bereits konkrete Aktionen geplant?
Perrin: Wir wollen positiv wirken, Vorschläge machen statt denunzieren; mit welchen Mitteln, wird nach der Vereinsgründung zu erarbeiten sein. Der Verein könnte auch Anlaufstelle sein für Leute, die sich beschweren wollen und nicht wissen, an wen sie ihre Reklamation richten sollen.
Vodoz: Etwa jene, die bei Bluewin anrufen und gefragt werden, ob sie Deutsch oder Englisch sprechen!
Interview: Denise Lachat Pfister Défense du français

Am Samstag, dem internationalen Tag der Frankophonie, ist in Lausanne der Verein «Défense du français» gegründet worden. Er will bei Behörden, Verwaltungen und PR-Unternehmen gegen die fortschreitende Amerikanisierung der Landessprachen intervenieren. Präsident des neuen Vereins ist Georges Perrin, Leiter einer Lausanner Kommunikationsagentur. Der Journalist Jean-Marie Vodoz ist Präsident der bereits vor Jahresfrist gegründeten Stiftung. (dlp)
St. Galler Tagblatt vom 22.März.2004

(skd) Wir wünschen dem Verein „Défense du français“ guten Erfolg gegen die fortschreitende Amerikanisierung der Landessprache(n). Gerade in der deutschsprachigen Schweiz muss die Erkenntnis wachsen, dass sie die Weichen auf sprachliche und kulturelle Selbstaufgabe zu stellen begonnen hat – auch wenn das andere mit Sprache befasste Vereine und Institutionen partout nicht einsehen wollen oder können. Helfen Sie dem Sprachkreis Deutsch gegensteuern.

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