Einführung von Fremdsprachen
Die generellen Ziele der Sprachausbildung sind Mehrsprachigkeit und Sprachlernkompetenz. Das bedeutet, im Sprachunterricht sollen die Kinder nicht nur Fremdsprachen lernen, sondern auch Strategien entwickeln, wie sie sich Sprachen aneignen und mit ihnen umgehen können. Der Kern der Sprachlernkompetenz ist eine positive Haltung der Sprache
gegenüber.
In dieser Hinsicht besteht europaweite Einigkeit. Alle sollen die Muttersprache beziehungsweise die Lokalsprache beherrsçhen und mindestens in zwei weiteren europäischen Sprachen Kompetenzen aufweisen. Diese Sprachen sollen Nachbarsprache und überregionale Verkehrssprache sein. Wenn wir wollen, dass unsere Kinder sich in der Welt von heute und in der Welt von morgen zurechtfinden, müssen wir sie so ausbilden, dass sie sich in ihrer näheren Umgebung, in ihrer Region, und in der weiteren Umgebung, in Europa (in der ganzen Welt?) zurechtfinden.Sie brauchen die Nachbarsprache und die überregionale Sprache. Kinder, die wir jetzt einschulen, werden bis weit über das Jahr 2050 aktiv im Arbeitsprozess stehen.Wissen wir heute, welcheFremdsprachen sie dann brauchen werden, um sich behaupten zu können?
Aus Sicht der Sprachwissenschaft ist die Reihenfolge der Einführung der Fremdsprachen im Schulunterricht nicht frei wählbar. Sie muss sich an lokalen und an globalen Gegebenheiten ausrichten aber auch daran, welcheRolle der Einstiegsfremdsprache zukommt. Das Spezifische an dieser Sprache im frühen Schulalter ist ja, dass sie die Lernhaltung entscheidend prägt, dass sie Strategien und Reflexionsfähigkeiten ausbildet, die das Erlernen weiterer Sprachen massgeblich bestimmen.
Der Bund, 3. April 2004, von Erika Werlen, Sprachwissenschafterin
(skd eingelesen aus Druckausgabe und gekürzt um Folgerungen für BE)
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