Vom Willen oder Unwillen Hochdeutsch zu sprechen Leserbrief
Die Bemerkungen [in NZZaS vom 11. Juli 2004 ] von Kathrin Meier-Rust zum Willen oder Unwillen, Hochdeutsch zu sprechen, sind zwar interessant, vor allem was die Lernfähigkeit der Kinder anbetrifft. Ich glaube aber nach wie vor nicht,
dass ein "Perfektionismus" vorab der Lehrerschaft an der Unlust schuld ist, Deutsch zu sprechen. Vielmehr herrscht nach wie vor ein weit verbreiteter krankhafter Abgrenzungswahn gegenüber allem Deutschen und Österreichischen, der allen "politisch korrekt" denkenden Deutschschweizern praktisch vorschreibt, Dialekt und vor allem amerikanisches Englisch "schaurig cool" zu finden und Hochdeutsch zumindest als gesprochenes (Neo-)Nazi-Idiom zu verabscheuen.
Darum auch die Verbissenheit, mit der versucht wird, deutsche Wörter durch amerikanische oder neue "engleutsche" zu ersetzen. Momentan etwa sind zahllose Geschäfte bestrebt, den Sonder- oder Ausverkauf auf den Abfallhaufen zu befördern und mit Riesenlettern durch "SALE" zu ersetzen (das französische Soldes und das italienische Saldi wird immerhin noch geduldet). Mit blossen "Unterlegenheitsgefühlen" der des Hochdeutschen nur zum Teil Mächtigen ist diese Verbissenheit nie und nimmer zu erklären.
P.H. in Z. (vollständige Anschrift liegt der skd-Redaktion vor)
Der vorstehende Leserbrief wurde in der NZZaS vom 18. Juli 2004 gekürzt veröffentlicht. Der Autor stellt hier die vollständige Fassung vor.