Das schönste deutsche Wort
(skd) Seit heute Sonntag, 24.Oktober, kennen wir es. das schönste deutsche Wort. In den freudigen Medienrummel mischen sich auch andere Töne. Frank Lorentz schreibt in der Welt am Sonntag (gekürzt skd).Eine einmalige Aktion, die das Goethe-Institut, der Deutsche Sprachrat und die Gesellschaft für Deutsche Sprache angezettelt haben. Rund 23 000 Wortvorschläge aus 111 Ländern bekamen die Veranstalter zugeschickt. Eine Jury, darunter die Präsidentin des Goethe-Instituts, Jutta Limbach,der Schriftsteller Uwe Timm, der Fußballtrainer Volker Finke sowie der Sänger/Sprachakrobat Herbert Grönemeyer kürte das Siegerwort.
Nun kann man den Wettbewerb als Unterhaltung begreifen und weglächeln. Oder aber man macht sich den viel größeren Spaß und nimmt ihn ernst. Und spricht darüber mit einem, der sein Leben hingibt für die Suche nach dem richtigen Wort am richtigen Ort. Mit dem Lyriker Thomas Kling, geboren 1957 . Ein Kugelstoßweltrekord ist ermittelbar. Oder das lauteste Flugzeug. Aber das schönste deutsche Wort? Was hat diese Anbiederung des Geistigen an das Zeitgeistige bloß zu bedeuten, Herr Kling?
"Das ist erschütternd und an Trostlosigkeit nicht zu [übertreffen] ", sagt der Lyriker. Das Konzept offenbare "eine Riesen-Konzeptlosigkeit", "eine Mischung aus Narretei und Hilflosigkeit". Das Goethe-Institut und die Mitveranstalter "arbeiten mit großem Ernst daran, daß man sie nicht mehr ernst nimmt". Das schönste Wort, so etwas könne doch gar nicht funktionieren. Wörter erhielten ihre Aura erst im Zusammenhang mit anderen Wörtern, in der Nachbarschaft. Genügt das?
(...)
Thomas Kling fragt: "Wem ist damit genützt?"
Ja, wem? Der deutschen Sprache? Weil die Aktion als "Sympathiekampagne" gilt? Als Anreiz, das Bewußtsein für die Sprache zu schärfen? Oder nützt es dem Stammtisch-Feuilleton? Weil die Beurteilung von Sprachschönheit auf das Niveau einer Miss-Germany-Wahl hinabgezerrt wurde?
aus www.wams.de/data/2004/10/24/350542.html?prx-1 (gekürzt skd)
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