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„Not amused“ über Anglizismen

Wie kommt man in der viersprachigen Schweiz dazu, einem Bundesamt einen englischen Namen zu geben?

«Wir haben gute Gründe dafür», sagt Swissmint-Geschäftsführer Kurt R . Ein Grund sei gerade die Viersprachigkeit. Den englischen Namen hat die Münzstätte, seit sie im Jahr 1998 zu einem sogenannten FLAG-Amt reorganisiert worden ist. FLAG-Ämter werden mit Leistungsauftrag und Globalbudget geführt. Sie arbeiten nach wirtschaftlichen Kriterien und orientieren sich am Markt. «Das ist der entscheidende Punkt», sagt R . «Wer im Markt erfolgreich sein will, muss als Marke auftreten.» Dies könne nur, wer einen einzigen Namen habe, sagt R . Doch in welcher Sprache sollte dieser sein?

Englisch innenpolitisch neutral
«Hätten wir einen französischen Namen genommen, wären die Deutschschweizer enttäuscht gewesen», sagt R. «Hätten wir aber einen deutschen Namen gewählt, wären die Romands missmutig geworden.» Die Lösung aus dem Dilemma sei ein englischer Name gewesen. Englisch sei gewissermassen innenpolitisch neutral. Ausserdem habe ein englischer Name den Vorteil, dass er sich auch für den internationalen Markt eigne - also dort, wo Swissmint in jüngster Zeit vermehrt auftrete. Das englische Wort «mint» bedeute auf Deutsch «Münzstätte» und sei in Fachkreisen ein bekannter Ausdruck.

Ein Widerspruch
Gleich argumentiert Swisstopo, ein weiteres FLAG-Amt. «Im Markt darf man nur mit einem einzigen Namen auftreten», sagt Swisstopo-Sprecher Jean- Claude B. Die Wahl fiel auf einen englischen Namen, weil ein solcher modern klinge und keine der vier Landessprachen benachteilige. Das Amt hat sich im Jahr 2002 «Swisstopo» als Kurzbezeichnung zugelegt.

Offiziell heisst Swisstopo noch immer «Bundesamt für Landestopografie» - und entsprechend in den anderen Landessprachen. Geärgert hat sich B., als etwa eine Arbeitsgruppe der Bundeskanzlei ein Verbot der englischen Bezeichnungen gefordert hatte. Er sieht einen Widerspruch. «Einerseits haben wir den Auftrag, marktwirtschaftlich zu handeln.» Anderseits werde ein Amt kritisiert, wenn es versuche, sich dem Markt anzupassen. Mit dem englischen Namen seien übrigens alle im Amt zufrieden, sagte B. Romands wie Deutschschweizer.

Welsches Postulat
Gar nicht zufrieden mit den englischen Namen ist hingegen Nationalrat Didier Berberat (SP/NE). Er und 80 weitere, vornehmlich französischsprachige Ratskolleginnen und -kollegen verlangten in einem Postulat unter anderem, englische Bezeichnungen von Bundesstellen zu verbieten. Mit der Verwendung von Anglizismen dränge man Menschen ohne Englischkenntnisse an den Rand der Gesellschaft, heisst es in dem im März 2004 eingereichten Vorstoss. Ein immer häufigerer Gebrauch von Anglizismen widerspreche auch dem Geist der Verfassung und laufe dem nationalen Zusammenhalt zuwider.

«Erscheinungsbild Bund»
Der Bundesrat nahm das Postulat entgegen. Er hatte bereits im November zuvor beschlossen, etwas gegen englischsprachige Bezeichnungen von Bundesstellen zu unternehmen. Im Zuge des Projektes «Erscheinungsbild Bund» beauftragte er die Bundeskanzlei, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die sich des Problems annehmen sollte. Die Arbeitsgruppe folgte der harten Linie des Postulates Berberat. «Englische Namen sollten verboten werden», sagt Felix S., Mitarbeiter der Bundeskanzlei und Leiter des Projektes «Erscheinungsbild Bund». «Wir wollen keine Sündenfälle wie 'Swissmint' mehr.»

Bundesrätlicher Kompromiss
Wie es weitergehen soll, hat der Bundesrat im vergangenen April mit der Verabschiedung der ersten Eckpunkte des «Erscheinungsbildes Bund» entschieden. Es kam zu einem Kompromiss. Swissmint und Swisstopo können ihren Namen behalten. Künftig aber dürfen sich Bundesstellen keine englischen Namen mehr geben. In den neuen Richtlinien heisst es, den Amtsprachen sei der Vorzug zu geben.
Alexandra Flury in www.nachrichten.ch vom 23.Okt.2005 (gekürzt skd)

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