Lustige und peinliche Englisch-Stilblüten
Beatrice Blanchard ist Amerikanerin. Sie wohnt in Deutschland. Deutsch spricht die 47jährige genauso perfekt wie ihre Muttersprache. Doch den in der Wahlheimat gebräuchlichen Mix aus beiden Idiomen findet sie urkomisch - und manchmal auch ziemlich peinlich. "Ich bin ganz und gar nicht sicher, dass die Leute tatsächlich wissen,
was sie manchmal reden, wenn sie englische Vokabeln verwenden", meint
sie. Was nur mag beispielsweise eine Boutique für Kinderkleidung bewogen
haben, ausgerechnet mit dem Satz "Let's have intercourse" Sachen für
neun- bis zehnjährige Mädchen zu bewerben?
Der Amerikanerin wäre fast der Mund offen stehen geblieben, als sie mit
einer Freundin beim Einkaufsbummel auf der Suche nach etwas
Schickem für deren Tochter war. Denn der Satz beinhaltet nichts anderes
als die Aufforderung zum Sex. "Ich habe das dem Personal im Geschäft
nicht gesagt", erklärt Blanchard. Aber jemand anders hat das vermutlich
dann doch getan, denn wenig später war die höchst anrüchige Reklame
verschwunden. Doch peinlich bleibe die Angelegenheit, findet sie. Vor
allem darum, weil es sich bei dem Geschäft nicht um irgendeinen Krauter
gehandelt habe, der einem sprachlichen Missverständnis erlegen sein
könnte, sondern um die Filiale eines internationalen Konzerns. Der mache
seine Werbung vermutlich zentral, und deshalb müsste es in der
zuständigen Abteilung eigentlich jemanden gegeben haben, der des
Englischen halbwegs mächtig sei.
Doch daran könne man wiederum auch zweifeln, wenn man Stellenanzeigen
zu sehen bekomme, in denen Mitarbeiter mit englischen Sprachkenntnissen
gesucht werden, die dann auch gleich auf Englisch verfasst seien - und
von Fehlern aller Art geradezu strotzen.
Dass mancher deutsche Zeitgenosse auf die eigenen Fertigkeiten im Umgang
mit Beatrice Blanchards Muttersprache in amerikanischen Ausprägung Stein
und Bein schwört, hat sie erst kürzlich ausgesprochen verwundert zur
Kenntnis nehmen müssen: Als sie sich bei einem bedeutenden, international
tätigen Unternehmen der Region um eine Stelle bewarb, die
Fremdsprachenkenntnisse voraussetzt - sie beherrscht auch Französisch -
erfuhr sie zu ihrer höchsten Verwunderung, dass ihr Englisch den
Ansprüchen der Firma leider nicht genüge.
Ein wenig bedauert sie jene Deutschen, die der Fremdsprache
tatsächlich nicht mächtig sind. Es soll Fälle gegeben haben, in denen
Kunden die Werbung "Come in and find out" so interpretierten,
dass sie ins Geschäft kommen und später halt zusehen müssen, wie sie es
wieder verlassen können - was nicht ganz richtig ist.
Michael Berndt in Lübecker Nachrichten vom 23.Okt.2005(gekürzte Bearbeitung skd)zurück zur Übersicht