Verluderung unserer Muttersprache
Immer häufiger wird in den Medien unsere Muttersprache vergewaltigt und mit allen möglichen Fremdwörtern, vor allem Anglizismen, vermischt. Am schlimmsten treibt es die Werbebranche, die kaum mehr einen deutschen Satz zustande bringt und offenbar glaubt, Werbetexte seien nur wirksam, wenn sie mit englischen Wörtern durchsetzt sind. Ganz dem Ausland verschrieben hat sich die – noch schweizerische – Swisscom. Und auch in der Armee, in der man bereits die vier offiziellen Landessprachen spricht, scheint man ohne Englisch nicht auszukommen. Zahlreiche Firmen und insbesondere deren Leiter sind dieser Sprachverluderung längst gefolgt.
Überall finden wir Wörter wie «Kids, Mail, Boyfriend, Lipsticks, Snacks, Loft . . .» Die Chief Executive Officers verlangen von ihren General Managers mehr Input und bessere Performances zugunsten der Shareholder. Creative und Art Directors verdichten in Werbebüros messages zu griffigen Slogans. Wir alle geben uns cool, nehmen es easy und genehmigen uns noch einige Softdrinks. Eigentlich hätten wir längst einschreiten sollen. Irgendwo sitzt ein «Big Brother», der uns unsere Sprache klaut. Klammheimlich hat er auch unseren Bahnhof in «Rail City» umbenannt.
Wollen wir unsere Muttersprache kampflos verludern lassen? Nein! Längst gibt es viele Menschen, die dem Zerfall entgegentreten; die keine Inserate und Texte mehr lesen, die mit Anglizismen vermischt sind, und die so beworbene Produkte auch nicht mehr kaufen. Helfen auch Sie mit, unsere Sprache zu erhalten. Herzlichen Dank.Ernst Frei, Bern
Der Bund, 29. Juni 2006 (Leserbrief)
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