„Sage mir, wie Du sprichst...“
Wir, die lieben Lehrerinnen und Lehrer, die lieben Lehrpersonen, haben uns zwar dran gewöhnt. Sie haben sich eingenistet in die Schulschriftlichkeiten: in Protokolle, Stundenpläne, Konzepte, Verordnungen und dergleichen mehr. Sie sind in Alu eingraviert in Türschildern.
Die Rede ist von allen Arten und Abarten von Bezeichnungen über das, was sich gemeinhin mit Lehrerin und Lehrer betiteln liesse: So gibt es etwa die Kindergartenlehrperson, die Turnlehrperson. Es gibt die Blockflötenspiellehrperson und die Lehrperson für Hauswirtschaft; die Lehrperson für dies und die Lehrperson für das. Logischerweise geht es weiter mit Begriffen und Bezeichnungen wie etwa Lehrpersonenaufenthaltsraum, Lehrpersonengarderobe, Lehrpersonenumkleideraum, Lehrpersonendusche – alles in allem: wirklich eine echt kühle Sprachdusche.
Längst haben die originellen Wortkreationen auch Einzug gehalten in die ganze Lehrpersonenfortbildung. Wäre da die Fortbildungslehrperson logischerweise nicht Lehrpersonenfortbildungslehrperson? Jede dieser genannten und die vielen ungenannten Lehrpersonen werden wohl noch ein paar dieser Wortschöpfungen auf dem Lehrpersonenlager haben.
Nein, „anmächelig“ ist diese Sprache nicht, überhaupt nicht einladend, nicht ansprechend, und weit weg von jeglicher Spracherotik. Kurzweg: Sie ist nicht schön. Dies nämlich sollte Sprache rund um Schule und Bildung sein. Gerade und vor allem die Bezeichnung für diejenigen „Personen“, die beruflich damit zu tun haben. Im Sinne des Referats von Ludwig Hasler „Muss Schule schön sein?“. Ja, und damit verbunden auch die Sprache, weil sie sich mit Schönem befasst: mit Kindern, Jugendlichen, mit Bildung. Mit Leben.
Was machen mit dieser unsäglich unmöglich vielgestaltigen Lehrpersonenbezeichnungsvielfalt? Nun, dahin schicken, woher sie gekommen ist. In die papierene Welt. Und wir kehren zurück zur guten alten Lehrerin, zum alten Lehrer. Und zur jungen Lehrerin und zum guten jungen Lehrer. Das tönt doch ungleich anders. Turnlehrer und Mathi-Lehrerin und Blockflötenlehrerin. Und gar Kindergärtnerin. Im Tandem oder im Windschatten dieser klassischen Begriffe würden dann die „Lernenden“ wieder zu Schülerinnen und Schülern. Das sind sie nämlich auch dann, wenn sie hie und da nicht „Lernende“ sind, sondern lebendige Kinder und Jugendliche, Schülerinnen und Schüler eben. –
Rund um die ganze Bezeichnungs- und Namengeberei taucht so eine Spekulation auf: Wenn vielleicht über Schule und Bildung vermehrt so geredet und geschrieben würde, wie der Schulschnabel über lange Zeiten gewachsen ist, hätten wir vielleicht gar weniger Mühe, Inhalte an die Eltern, sorry, an die „Erziehungsverantwortlichen“, zu bringen. Irgendwie gilt vielleicht auch hier: „Sage mir, wie du sprichst…“
H.Bucher in R. (Leserbrief, 6. Nov. 2008) [Anpassungen skd ]
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