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Polizist Isabelle
„Vom Glück im Polizeialltag“

Welch spannende Geschichten die „Aspirantin Mayer“ uns da regelmässig erzählt: kein Polizeiroman, sondern wirkliches Leben! Ich mag es jenen Polizisten gönnen, die daraus neuen Stolz auf ihren anspruchsvollen Beruf schöpfen. Ein journalistisches Talent tritt hier zutage. Wer weiss: vielleicht empfiehlt sie sich jetzt schon für eine besondere Laufbahn als „Verantwortliche für Kommunikation“ bei der Polizei?
Für eine Frau mit voraussichtlich pikanten Fragen: Wie wird sie sich dann ausdrücken, wenn sie „Polizisten resp. Polizistinnen“ vermeiden will? Vielleicht mit den politisch-korrekten „Gleichstellungsgrammatik“-Partizipien? An Schulen und Universitäten nennt man heute Lehrlinge „Lernende“, Studenten „Studierende“ und Dozenten „Dozierende“ (mir kommt dabei unweigerlich der Lehrer Lämpel mit erhobenem Zeigefinger bei Max und Moritz in den Sinn).
Probieren wir’s doch mal, z.B. mit „Polizeiende“: hört sich doch an wie „verzeihen“ – bestens für eine neue CI (Corporate Identity) der Polizei! Aber aufgepasst: „zeihen“ kann auch „anklagen“ heissen: man kann jemanden der Verstellung, der Unehrlichkeit „zeihen“. Also doch lieber „Polizierende“? Das passt nun wieder höchstens für die hübschen „Politessen“, die überzeit parkierte Autos mit gewissen Zetteln „verzieren“…
Mal ehrlich: Die Leute, die solche pseudofeministische Grammatik austüfteln, gehören entweder zu jener Minderheit von Sofa-Emanzen, die vor lauter Eitelkeit jegliche Scham verloren haben, oder zu „Männern“, die zu Hause noch nie einen Staubsauger in der Hand hatten und von Gleichberechtigung (gleicher Lohn, Kinderkrippen, Jobsharing) nichts wissen wollen, sich dafür einen Spass daraus machen, den Frauen mit Scheinfreundlichkeiten eine Nase zu drehen. Ich kenne Frauen, die davon gar nichts halten. Die junge Frau, die laut „Beobachter“ in einem Interview sagte: „Ich habe soeben Elektrotechniker geschnuppert“, hat begriffen, dass „Elektrotechniker“ ein Beruf ist, der nichts mit dem Geschlecht, ob männlich oder weiblich, zu tun hat, und dass die Endung „-in“ die Emanzipation mehr behindert als fördert.
Die Engländer zeigen, wie es auch ginge: schon vor 1000 Jahren haben sie die weiblichen Endungen abgeschafft. In jedem Langenscheidt wird „teacher“, „author“ usw. als „Lehrer, Lehrerin“ und „Autor, Autorin“ übersetzt; ich habe sogar eine Ausgabe, da steht für „pope“ „Papst, Päpstin“!
Solche Gleichbehandlung bringt mehr für die Emanzipation als alle amtlichen Regelwerke, die nur die Sprache zerstören. Welches Lob ist stärker: „Sie ist die mutigste Polizistin“ (unter den wenigen Frauen im Korps) oder „sie ist der mutigste Polizist“ (von allen Männern und Frauen im Korps)?
Bin ich „reaktionär“ oder „fortschrittlich“, wenn ich Doris Leuthard mit „Frau Bundesrat“ anrede? Immerhin scheut sich Martha Bächler-Emmenegger nicht, sich in Engelberg als „Frau Talammann“ zu bezeichnen. Vielleicht bringen wir es eines Tages so weit, dass der Langenscheidt „pope“ nur noch übersetzt mit „Papst m/w“. Rück- oder Fortschritt?
Leserbrief von F. Sachs, 2. Juni 2009, St. Galler Tagblatt





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